Abrissbedrohung der Denkmäler- reine Panikmache?

Hat man sich einmal mit dem Thema beschäftigt, ist man durchaus vertraut mit der Problematik der deutschen Architektur der Nachkriegsmoderne. Dies beinhaltet selbstverständlich auch den Umgang mit dem Denkmalschutz. Viele Denkmäler werden schlichtweg als unschön abgetan und die Notwendigkeit derer weiteren Existenz ist durchaus umstritten. Sie gilt schon Jahrelang als minderwertig und wird größtenteils einfach übersehen, ist das gerechtfertigt?

Zuerst sollten wir uns einmal ins Gedächtnis rufen, dass die Verallgemeinerung der architektonischen Denkmäler der Nachkriegsmoderne nicht korrekt ist. Es sind durchaus große Unterschiede zwischen Ost- und Westberlin zu verzeichnen sowie zwischen den 50er- und 70 er Jahren. Auch kann man die verschiedensten Städte nicht einfach so gleichsetzen, da die Zerstörungen des Krieges sehr unterschiedlich ausgefallen sind. Außerdem ist vieles nur Gerede und wird von der Presse aufgeputscht, denn geht man beispielsweise von der Innenstadt Berlins aus, so wird man mitunter auf fast keine Bauten treffen, welche aus der Zeit vor dem Weltkrieg stammen. Also gibt es folglich nichts, was vom Abriss bedroht sein könnte. Es redet auch niemand davon, das Kulturforum am Rande des Berliner Tiergartens, das Hansaviertel oder die Hochhäuser auf dem historischen Fischerkiez an der Spree abzureißen.

Das Hansaviertel vor dem Krieg

Überwiegend werden das ehemalige “Komplexzentrum Ahornblatt”, das einstige Außenministerium der DDR oder der Palast der Republik als Bedrohung vor dem Abriss deklariert. Beachten sollte man jedoch, dass es sich bei den hier aufgeführten Beispielen nicht um Denkmale im rechtlichen Sinne handelt. Natürlich ist eine solche Entscheidung problematisch, doch erst nach ausführlicher kontroverser und öffentlichen Debatten erfolgten die Abrisse auf Antrag der Eigentümer.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das von vielen geehrte Hansaviertel der Fünfzigerjahre, bei welchem alles von Grund auf neu gemacht wurde, um eine neue Stadtvision zu verwirklichen. Seitens der Architekten gab es keinerlei Proteste, im Gegenteil sie waren froh, ihre Visionen ohne Rücksicht nun realisieren zu können. Es geht definitiv nicht darum, das Hansaviertel dieser Zeitperiode zu kritisieren, jedoch sollte man den heutigen Bewunderern des neuen Hansaviertels und der Stadtumrisse etwas mehr Respekt zollen und offen gegenüber Veränderungen sein.

Warum sollte man nicht einige Bestände der „Nachkriegsmoderne“ nicht nur bewahren, sondern sie auch verschönern und weiterentwickeln? Es ist ja nicht gesagt, dass alles abgerissen werden soll, doch die als Denkmalbereich geschützten Stadtquartiere des Nachkriegsstädtebaus wie im Hansaviertel, am Ernst-Reuter-Platz oder gar auf der Fischerinsel könnten einige Veränderungen und Anbauten durchaus attraktiv gestalten. Sollten dann dabei einzelne Gebäude abgerissen werden, wäre dies doch vertretbar, wenn man dadurch die berauschende Lebendigkeit und Schönheit der Städte wiederspiegeln kann, was sonst zur Selbstverständlichkeit europäischer Stadtbaukultur gehört. Betreffend sind hier mitunter die mittelalterlichen Teile von Alt-Berlin und Alt-Köln mit ihren Kirchen St. Marien und St. Petri.

Die Nachkriegsmoderne ist kein Weltkulturerbe

Das Hansaviertel heute

Ausschlaggebend hierbei ist nicht die vollkommene Zerstörung der Moderne. Es geht vielmehr um ihre Veränderung, ihren Ausbau und den Hintergrund. Es geht um die unendlichen Verluste durch die Moderne und der daraus resultierenden Erinnerungslosigkeit. Man sollte sich einmal auf diesen Denkprozess im Umgang mit dem Städtebau und deren Architektur der Zeit nach 1945 einlassen. Und wenn nicht, sowie viele beamtete Denkmalpfleger, erklärt man dann quasi ganze innerstädtische Stadtgebiete zum unveränderbaren Weltkulturerbe. Doch das trifft nicht zu, denn die Stadt bestünde dann nur noch aus gebauten Fragmenten einer vergangenheitsfreien Zukunft. Damit wäre zwar die Nachkriegsmoderne wie eine Trophäe gerettet, doch die Stadt als räumliches Kontinuum wäre tot.

Köln im Wiederaufbau- ein El Dorado für Fans der 50er Jahre

Dank dem Oberbürgermeister Adenauer, welcher zu seiner Zeit gerade erst wieder sein Amt aufnehmen konnte, wurden so viele Bauten in kurzer Zeit in Köln wieder errichtet, wie nie zuvor. Er gründete die Kölner Wiederaufbau GmbH und nach der Aufhebung der Alliierten wurde ein wegweisendes Gebäude nach dem anderen errichtet, die Zahl fällt auf schätzungsweise 90.000. Dabei muss sich in Erinnerung gerufen werden, dass Köln wie keine andere Großstadt Deutschlands vom Krieg geprägt worden ist.

Wiederaufbau und Erhalt der Innenstadt

Nach 262 Bombenangriffe bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war der Großteil Kölns nahezu vollständig verwüstet. Allein 80% der Innenstadt galten als zerstört.

Der Generalplaner Rudolf Schwarz war die perfekt erwählte Person, den Wiederaufbau durchzuführen. Er nahm sich der Sache mit Augenmaß und vollkommenen Respekt vor dem historischen Erbe der Stadt an. Obwohl seine Überlegungen zum neuen Köln als menschenfreundlich und metaphysisch grundierte Planung galten, gelang es ihm jedoch nicht sich in all seinen Belangen durchzusetzen. Indem er die großen Verkehrsstraßen als Grenzen zwischen den Stadtvierteln (Veedeln) nutzte, konnte er die alte Grundrissstruktur bewahren. Es gelang ihm ebenfalls, einen durchaus hohen Anteil der Wohnungen innerhalb der Innenstadt zu bewahren und er führte die liebevolle Idee des bekannten grünen Rheinufers fort. Darüber hinaus gelang es ihm, das Rheinufer von den Spuren der Zerstörung zu befreien. Kleine Fehltritte im Einzelnen sind ihm bei einem solch respektvollen Umgang mit den historischen Bauten daher zu verzeihen.

Die Domumgebung konnte sich ihren charismatischen Großstadt Charakter bis heute bewahren, da sie wie ein Wunder nicht verheerend betroffen war und das Bauensemble beim raschen Wiederaufbau ganz behutsam ergänzt worden ist. Das Stadtbild im Allgemeinen kam nicht solch einem Glück zugute und war stark von den Kriegszerstörungen geprägt, wie beispielsweise der Innenstadtgürtel der Kölner Ringe oder der innere Grüngürtel. Die Metropolwirkenden Räume sind daher vergleichsweise modern, obwohl die Stadt an sich fast 2000 Jahre alt ist.

Die Innenstadt Kölns sollte von einigen Verkehrsachsen durchquert werden, so die Planungen des Dritten Reichs, die Ost-West-Achse (Hahnenstraße) vom Rudolfplatz an den Ringen über den Heumarkt bis zur Deutzer Brücke sollte als 68 Meter breite Aufmarsch-Allee mit Abzweigungen konstruiert werden. Doch nach dem Krieg wurde diese Verkehrsachse auf ein stadtverträglicheres Maß verkürzt und nach den abgestimmten Plänen von Wilhelm Riphahn neu bebaut. Der Platz hat durch die Verkehrsführung der Ost-West-Achse über den Heumarkt, welcher in der Reiseliteratur des 17. Jahrhunderts als einer der ansehnlichsten Plätze Europas angesehen wurde, seine Geschlossenheit und seine Qualität verloren. Aktuell wird um Wiedergewinnung gerungen. Wilhelm Riphahn schaffte mit dem Opernhaus (1954–1957) und dem Schauspielhaus (1960–1962) am Offenbachplatz die Idee eines lebendigen Mittelpunktes innerhalb der Altstadt. Der Platz selbst wurde dann zusammen mit dem zentral gelegenen Mosaikbrunnen vom Kölner Künstler Jürgen Hans Grümmer im Jahr 1966 gestaltet. Die planerische Absicht von Rudolf Schwarz spiegelt hingegen die Bebauung der Verkehrsstraße an den Bächen vom Barbarossaplatz über den Griechenmarkt bis zum Waidmarkt wieder.

Zerstörung und Rekonstruktion historischer Bauwerke

Unglücklicher Weise waren annähernd alle Traditionsbauten von der schweren Kriegszerstörung gekennzeichnet. Die Bauten von Groß St. Martin und dem Rathausturm waren buchstäblich aufgerissene Ruinen und das Rathaus lag mit Ausnahme der Laube in zerfetzten Trümmern. Die restaurierende Rekonstruktion Groß St. Martins konnte vergleichsweise schnell im Jahre 1985 abgeschlossen werden. Der Bayenturm, ein prägnanter Turm der Stadtbefestigung am Rhein, wurde im Gegensatz dazu erst ab 1987 wiederaufgebaut. Der Gürzenich war auch gänzlich und zwar bis auf die Außenmauern zerstört. Schwerstens beschädigt waren auch elf der zwölf großen und eindrucksvollen romanischen Kirchen. Ebenso verhielt es sich mit den Türmen der Stadtbefestigung. Der Rathausturm, welcher bis 1975 wieder vollständig aufgebaut war, erhielt seine Skulpturen jedoch erst zwischen 1988 und 1995 zurück. So sieht man, welch langen Weg es bedarf, die Rekonstruktion der Bauwerke zu vervollständigen – bis in die 1990er Jahre hinein.

Die Wiedergewinnung dieser zahlreichen historischen Gebäude bringt das Kölner Stadtbild mit seinen wichtigen Platz- und Straßenensembles seiner einstigen Geschichte wieder näher. Diese eindrucksvollen und hart erkämpften Traditionsbauten gelten daher inzwischen wieder als wesentliche Identifikationen für das einst mittelalterliche Köln.

Beliebtheit der Stadt

Dies ist auch die Grundlage der zahlreichen jährlichen Besucher. Geht man durch die Innenstadt, so sieht und hört man, dass sie einiges durchlebt hat. Doch selbst das konnte ihr nichts anhaben und so versprüht Köln immer noch diesen gewissen Charme. Diese Stadt beinhaltet einfach alles – sie trägt das Mittelalter in sich, große Hoffnung und Enthusiasmus, verständlicher Weise sind die Einwohner stolz sich Einheimische nennen zu dürfen.