Die deutsche Nachkriegsmoderne

Deutschland und die Verfechter der Nachkriegsmoderne

Ein sehr umstrittenes Thema unter den Architekten und der Gesellschaft. Es sind nicht allzu viele Liebhaber zu diesem Thema zu finden, jedoch kommt es sicherlich darauf an, aus welchem Blickwinkel man dieses betrachtet.

Eine schwere Aufgabe nach dem Krieg

Es war eine sehr schwere Zeit, man wusste nicht genau, wie man nach dem Krieg mit der Zerstörung sämtlicher Bauten umgehen sollte – teils waren ganze Ortschaften komplett zerstört, andere Städte hingegen sind ziemlich unversehrt geblieben. Sollte man alles abreißen, umbauen oder doch Denkmalgerecht sanieren? Neugestaltungen durchdenken oder auf den Trümmern aufbauen und dabei modernisieren? Wie man unschwer erkennen kann stellte die Zeit des Wiederaufs nicht nur für Architekten, sondern auch für die Gesellschaft eine überaus große Herausforderung dar.

Der Glockenturm der Neuen Gedächtniskirche

Das Steckenpferd von Architekturenthusiasten steht ohne Zweifel im Blickpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Vor allem werden die gewaltigen Wohnsiedlungen, welche nicht sonderlich reizvoll für das betrachtende Auge sind, da sie überaus Beton-lastig gebaut wurden, heftig diskutiert. Doch auch die Auto-gerechten Innenstädte der 1960er Jahre stehen im Fokus und das nicht nur unter den Stadtplanern und Denkmalschützern, sondern auch unter den Bürgern. Verschiedene Bauten werden aufgrund ihrer monotonen und lieblosen Fassaden sogar als menschenfeindlich betitelt und dies ist Gegenstand genug, dass sich auch die Lokalpresse auf dieses Thema stürzt. Ist die Presse einmal mit im Spiel, hagelt es nur so von Übertreibungen und beispielsweise der Wille zur Verdichtung der Innenstädte, wird mit harten Worten als radikale Vorgehensweise geschimpft und den Architekten unterstellt, dass nichts Visionäres daran zu vernehmen sei. Natürlich ist es in einer Hinsicht das Abbild einer zukunftsgewandten Zeit und es wurde durchaus viel Stahl, Glas und Beton zur Verarbeitung genutzt. Doch man bedenke auch, in welcher Situation sich die Architekten befanden. Dabei ist nicht auszuschließen, dass man Umgestaltungen oder gar Abrisse in Betracht ziehen kann, doch das kann man durchaus mit etwas mehr Feingefühl zum Ausdruck bringen.

Die neue Moderne

Viele freie Flächen standen in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Bebauung bereit, daher boten sich mannigfaltige Möglichkeiten zur Neugestaltung der Städte. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde der Fokus in der Baupolitik auf die bereits erwähnte Verdichtung der Innenstädte, Bürohäuser und Universitätskomplexe gelegt. Dies geschah zum Ende der 1950 er Jahre im Westen Deutschlands, doch auch Kulturbauten wie die Akademie der Künste von Werner Düttmann von 1958- 1960 oder gar die Deutsche Oper von Fritz Bornemann um 1961 wurden errichtet. Helmut Hentrich machte sich gleich an zwei Werke: zum einen dem Dreischeibenhaus in Düsseldorf im Jahr 1960 und in Bochum errichtete er die Ruhruniversität von 1964- 74. In der damaligen neuen Hauptstadt Bonn wurden zudem einige Regierungsbauten benötigt.

Die Berliner Oper

Im geteilten Berlin hingegen sah die Sache schon etwas anders aus. Es wurden zum einen eine sozialistische und zum anderen eine kapitalistische Variante an Zentren gestaltet. Die visionären Entwürfe der in Ost und West entstandenen Gebäude gelten jedoch als Ikonen der modernen Baukultur, sowie die Neue Gedächtniskirche von Egon Eiermann in West- Berlin oder das Haus des Lehrers Hermann Henselmann in Ost-Berlin.

Resümierend kann man sagen, dass einige Bauten mit etwas mehr Sinn für Kunst hätten gestaltet werden können, doch andererseits darf man dabei nicht außer Acht lassen, mit welch großen Herausforderung die Architekten konfrontiert waren – sei es bezüglich der verfügbaren Materialien oder der Zeitdruck unter welchem sie standen.

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